Problem: Warum ROAS 2025 nicht mehr ausreicht
Der klassische ROAS berechnet sich simpel: Umsatz durch Werbeausgaben. Klingt logisch, aber die Realität 2025 ist komplexer.
- Attribution ist unsicher. Seit iOS 14.5 und verschärften Datenschutzbestimmungen sind viele Conversions nicht mehr eindeutig einem Kanal zuordenbar. ROAS-Werte sind damit verzerrt.
- Kanäle überschneiden sich. Ein Kunde sieht vielleicht eine TikTok-Ad, klickt später eine Google-Ad und kauft dann über eine E-Mail. Welcher Kanal bekommt den Umsatz? ROAS kann das nicht sauber beantworten.
- Kurzfristige Optimierung führt zu falschen Entscheidungen. Ads mit „niedrigem ROAS“ werden oft gestoppt – auch wenn sie im Upper Funnel wichtig sind. Das führt zu einer Schieflage im Marketing-Mix.
👉 Statistik: Laut einer Analyse von Northbeam (2024) unterschätzen Marken, die nur ROAS betrachten, ihren tatsächlichen Marketing-ROI um bis zu 40 %.
Ursache: Die falsche Metrik bestimmt die Strategie
Viele Teams sind so stark auf ROAS trainiert, dass sie alles daran ausrichten. Kampagnen, die nicht sofort profitabel erscheinen, werden pausiert, Budgets werden in Retargeting gedrückt, und Upper-Funnel-Maßnahmen wie TikTok oder YouTube werden vernachlässigt.
Das Problem: Marken „melken“ nur noch ihre bestehenden Kunden, statt neue zu gewinnen. Das mag kurzfristig funktionieren, doch mittelfristig führt es zum Stillstand. Wachstum braucht Investitionen in Awareness – und die lassen sich über ROAS kaum messen.
Lösung: MER als übergeordnete Steuergröße
MER bedeutet „Marketing Efficiency Ratio“ und berechnet sich so:
MER = Gesamtumsatz / gesamte Marketingausgaben
Im Gegensatz zum ROAS betrachtet MER nicht einzelne Kampagnen, sondern die Effizienz des gesamten Marketing-Budgets. Es beantwortet die Frage: „Wie viel Umsatz mache ich mit jedem Euro, den ich insgesamt in Marketing investiere?“
Beispiel:
- Umsatz: 1.000.000 €
- Marketingkosten: 250.000 €
- MER = 4,0
Das bedeutet: Jeder Euro Marketing bringt 4 Euro Umsatz.
👉 MER ist keine Konkurrenz zu ROAS, sondern eine Ergänzung. Es zeigt die große Linie, während ROAS einzelne Kampagnen misst.
Praxisbeispiel: ROAS vs. MER
Eine D2C-Marke investierte 100.000 € in Meta und TikTok Ads.
- Meta zeigte ROAS 3,2.
- TikTok nur ROAS 1,1.
Das Team stoppte TikTok. Drei Monate später stagnierte das Wachstum.
Eine Analyse ergab: TikTok brachte zwar keine direkten Käufe, aber es war entscheidend für die Awareness. Viele spätere Conversions auf Meta starteten mit einem TikTok-Touchpoint. Nachdem TikTok wieder aktiviert wurde, stieg der MER von 2,8 auf 3,5.
👉 Lehre: Einzel-ROAS kann täuschen. MER zeigt, wie alle Kanäle zusammenspielen.
Wie du MER in deine Budgetsteuerung integrierst
1. Definiere Ziel-MER
Jede Branche hat unterschiedliche Benchmarks.
- Fashion & Beauty: MER 3–4 ist solide.
- Elektronik: MER 2,5–3 oft realistisch wegen niedriger Margen.
- Premium-Produkte: MER 4–6 möglich.
Wichtig: Dein Ziel-MER hängt von deiner Marge ab. Ein MER von 3 bringt nichts, wenn deine Bruttomarge nur 20 % beträgt.
2. Setze MER als KPI auf C-Level-Ebene
ROAS gehört ins Kampagnen-Reporting, MER ins Management-Reporting.
- ROAS: Wie performt eine einzelne Kampagne?
- MER: Wie effizient ist mein gesamtes Marketing?
👉 Empfehlung: Stelle MER neben Net Profit, Customer Lifetime Value (CLV) und CAC als zentrale KPI dar.
3. Nutze MER für Budgetverteilung
Statt Budgets nur nach Kampagnen-ROAS zu verschieben, nutze MER als Leitplanke.
- Wenn dein MER stabil ist, kannst du Budgets aggressiver skalieren.
- Sinkt dein MER, ist es Zeit, Kosten zu überprüfen oder Creatives neu zu testen.
👉 Grafik-Idee: MER-Kurve über Zeit – zeigt Budget-Skalierung und Umsatzentwicklung.
Tools & Methoden für MER-Tracking
- Northbeam, Triple Whale, Rockerbox: Moderne Tracking-Lösungen, die MER-Analysen liefern.
- Google Data Studio / Looker: Dashboards für MER + andere KPIs.
- Excel/Sheets: Für kleine Shops reicht oft eine manuelle MER-Berechnung auf Monatsbasis.
Typische Fehler bei MER
- MER ohne Margen-Betrachtung: Umsatz sagt wenig, wenn die Marge niedrig ist.
- Zu kurzfristig messen: MER entfaltet sich über Zeit, nicht über Tage.
- ROAS ignorieren: ROAS bleibt wichtig für operative Entscheidungen – MER für die strategische Ebene.
- Alles gleich behandeln: Awareness-Kanäle wie TikTok dürfen nicht nach denselben Maßstäben bewertet werden wie Retargeting.
Handlungsempfehlungen für 2025
- Stelle MER ins Zentrum deiner Marketing-Strategie. Definiere einen Zielwert, der zu deiner Marge passt.
- Behalte ROAS für den Alltag. Nutze ihn zur Kampagnensteuerung, aber nie isoliert.
- Betrachte den Funnel ganzheitlich. Awareness-Kanäle haben schwächeren ROAS, sind aber entscheidend für den MER.
- Automatisiere Reporting. Nutze Tools, die MER automatisch berechnen und in Dashboards sichtbar machen.
- Plane Budget-Sprints. Teste Budgetsteigerungen und miss, wie sich der MER entwickelt.
Fazit: MER ist das neue ROAS
2025 entscheidet sich, welche Marken wachsen und welche stagnieren, nicht an CPMs oder CTRs – sondern daran, ob sie ihre Budgets ganzheitlich steuern. ROAS bleibt ein wichtiges Werkzeug, doch MER ist der übergeordnete Kompass.
👉 Händler:innen, die MER verstehen und anwenden, sichern sich langfristig profitables Wachstum – während andere noch im Nebel des ROAS herumirren.










